Wie wir ein geliebtes Rad nach einem Diebstahl zurückgeholt haben

Am Donnerstag, den 2.4.2022 kam es zur unserer ersten Erfolgsstory. Ein Rad wurde geklaut, unbeschadet zurückgeholt und wir waren live dabei! Doch alles der Reihe nach…

von Hannah Rindfleisch

Als Laura zu mir ins Büro kam, dachte ich erst, sie will sich verabschieden, aber sie sagte völlig aufgelöst: „Mein Fahrrad wurde geklaut!“. Sie entdeckte den Diebstahl ihres geliebten Rades gegen 16 Uhr. Es stand den ganzen Tag auf dem Fahrradstellplatz vor der Firma, ein belebtem Ort. Nun war es weg und nur noch das Schloss lag da. Ich antwortete sofort: „Laura, du hast doch dein WOO!“. Sie hatte es bereits völlig vergessen. Sie rannte sofort zu ihrem iPhone. Wir schauten in die „Wo ist?“-App und sahen die Stecknadel des Fahrrads etwa 7 km entfernt in Preungesheim. Eine Position mit exakter Angabe der Straße und Hausnummer, die sich nicht veränderte. Jetzt waren wir beide aufgeregt.

Lauras erster Gedanke war es, die Polizei zu rufen. Sie wählte die 110. Der Polizist am Telefon nahm ihre Daten auf und ließ sich den Standort des Fahrrads geben. Er sagte, es komme eine Streife in zivil vorbei. Daraufhin machten wir uns auf den Weg nach Preungesheim. Das Taxi brauchte durch den Feierabendverkehr 30 Minuten. Laura behielt die ganze Zeit ihr iPhone in der Hand und wir beobachteten die Position des Fahrrads. Der Standort bewegte sich nicht. 

Dort angekommen war keine Polizei in Sicht. Direkt vor uns: zwei sehr hohe Wohngebäude mit etlichen Stockwerken. Wir machten uns sofort auf die Suche nach dem Fahrrad.

„Lauras iPhone 8 hat noch kein „precision finding”, das erst die neueren iPhones (ab iPhone 11) besitzen.”

Ihr wurde ein Radius von ca. 50 Metern angezeigt, eine Stecknadelposition an einer angrenzenden Straße. Die Position, an der das Fahrrad zuletzt durch ein fremdes iPhone geortet wurde. Laura sah zuerst dort nach, aber ihr Fahrrad war nicht zu sehen. Wir begannen den gesamten Außenbereich in dem Radius abzusuchen. Dabei aktivierte Laura die Funktion „AirTag suchen“ und hielt das iPhone vor sich. Wir liefen die Umgebung ab, hielten das iPhone an Transporter und schauten an Fahrradständern. Dabei musste Laura immer wieder die Funktion „AirTag suchen“ aktivieren, da dieser Vorgang nach einer Weile abgebrochen wurde. Inzwischen waren 60 Min. vergangen und ihr Fahrrad war nicht in Sicht. Durch Anwohner bekamen wir Zutritt zum Fahrradkeller, aber auch da war ihr Fahrrad nicht.

Die Zuversicht schwand und wir waren kurz davor abzubrechen. Es frustrierte uns, dass keine Polizei gekommen war. Aber wir motivieren uns gegenseitig, nahmen unseren Mut zusammen und starteten einen letzten Versuch in dem Gebäude mit der Hausnummer, die in der App angegeben war. Ein Bewohner ließ uns ins etwas 15-stöckige Gebäude. Es offenbarte sich ein kahles anonymes Treppenhaus mit zwei Aufzügen. Wir gingen als erstes in den Keller. Aber auch dort schlug das iPhone nicht an. Wir gingen das Treppenhaus hoch und liefen das erste Stockwerk von Tür zu Tür ab. Nichts. Im zweiten Stockwerk gab es plötzlich die Meldung, dass der AirTag sich in der Nähe befindet. Der Schreck war groß und plötzlich war sie wieder da, die Zuversicht. Nur der Akku des alten iPhones 8 war inzwischen bei 7%.

Lauras Freund kam zur Unterstützung und hatte eine Powerbank dabei. Wir zeigten ihm die Position im 2. Stock. Paul lief von Tür zur Tür und plötzlich hatte er an einer Wohnung Verbindung zum AirTag und konnte sogar das Signal abspielen, aber es war nichts zu hören. Wir gingen ein Stockwerk höher an dieselbe Position und da war es plötzlich, das Piepen des AirTags. Die Freude war riesig. Paul lief alle anderen Türen ab, wo man nichts hörte. Nur diese eine Tür.

Ca. 18:30 Uhr: die Polizei kam, nachdem Paul im zuständigen Revier angerufen hatte. Er konnte die exakte Position des Fahrrads orten, was nun ein großes Interesse bei der Polizei auslöste. Die Polizisten nahmen unsere Personalien auf und ließen sich die Wohnungstür zeigen. Auch sie hörten eindeutig das Tonsignal. Sie vergewissterten sich, dass in allen anderen Wohnung kein Signal zu hören war. Sie klingelten und klopften, ohne Erfolg. Niemand öffnete die Tür. 

Die Polizei befragte Anwohner und ließ die Daten des Mieters der Wohnung überprüfen. Es ging nun nicht mehr nur um den Diebstahl des Fahrrads, die verdächtige Person war wegen weitaus mehr Delikten interessant für die Polizei. Laura beschrieb ihr Fahrrad im Detail.

„Zum Glück hatte sie die Rechnung und Rahmennummer des Fahrrads auf Ihrem iPhone und zeigte diese zusammen mit Fotos.“ 

Es war inzwischen 19:30 Uhr und es dämmerte bereits. Die Polizei klärte ab, ob sie sich Zutritt zur Wohnung mit einem Durchsuchungsbeschluss verschaffen konnte. Die Staatsanwaltschaft wurde informiert und gab nach ca. 30 Min. ihr Okay. Nachdem auch das Genehmigung vom Richter kam, konnte die Polizei endlich die Wohnung öffnen.

Wir freuten uns, hatten aber auch ein mulmiges Gefühl. Was, wenn wir uns getäuscht hatten? Der Polizist beruhigte uns und sagte: „Es ist eindeutig. Ich habe es auch gehört“.

Kurze Zeit später kam weitere Polizei-Unterstützung sowie der Schlüsseldienst. Wir sollten uns im Treppenhaus verstecken. 

„Es ging ganz schnell. Das Schloss wurde aufgebohrt und schon war die Tür offen.“ 

Der Täter war die ganze Zeit in der Wohnung und stand sofort in der Tür. Wir warteten ungeduldig. Nach einer Weile sagte einer der Polizisten zum anderen: „Jetzt holen wir erst mal die Räder raus“.

Die Erleichterung war groß! Wir hatten es geschafft! Da stand es, Lauras Fahrrad. Unversehrt mit WOO und AirTag. Ein zweites Fahrrad stand daneben und die Polizei stellte auch noch weitere Fahrradteile sicher. 

Wir waren glücklich, erleichtert und stolz. Laura durfte ihr Fahrrad mitnehmen. Inzwischen war es dunkel. Mehrere Stunden waren vergangen seitdem sie festgestellt hatte, dass ihr Fahrrad geklaut wurde. Ohne unseren Einsatz hätten wir das nicht geschafft, aber auch nicht ohne die engagierten Polizisten. Sie nahmen den Täter in Gewahrsam und stellten die Wohnung sicher. Der Einsatz hatte sich gelohnt. 

Es ist definitiv möglich ein Fahrrad nach einem Diebstahl wiederzubekommen, aber es erfordert auch Einsatz und einen kühlen Kopf. Ein Gebäude mit etwa 15 Stockwerken und einem iPhone 8 ohne „precision finding“ ist der worst case, aber es hat geklappt. Mit der richtigen Vorgehensweise lässt sich der Zeitaufwand für die Suche auch stark reduzieren. Im Folgenden haben wir ein paar Tipps zusammengefasst.

Wie bereite ich mich am besten auf einen Diebstahl vor?

Mach dich mit der „Wo ist?“-App vertraut und teste die Funktionen.
Im Falle des Diebstahls brauchst du die Rahmennummer, Rechnung und Fotos von deinem Fahrrad. Du kannst die Rechnung fotografieren, dann hast du sie immer bei dir. Wenn du das Fahrrad gebraucht gekauft hast, benötigst du einen Kaufvertrag. Du musst nachweisen können, dass es sich um dein Fahrrad handelt.

Wie verhalte ich mich, wenn mein Fahrrad geklaut wurde?

  • Begib dich nie alleine auf die Suche nach deinem Fahrrad. Achte auf deine Sicherheit.
  • Versuche einen kühlen Kopf zu bewahren.
  • Sei schnell. Je mehr Zeit der Dieb hat, desto schlechter sind deine Chancen.
  • Du brauchst Geduld und Ausdauer. Verliere nicht den Mut. Wir drücken die Daumen, dass du am Ende belohnt wirst.
  • Wenn du sicher bist, dass sich dein Fahrrad in einer Wohnung befindet, sei bitte vorsichtig, wenn du das Tonsignal des AirTags auslöst. Du kannst dich damit in Gefahr begeben und den Dieb auf dich aufmerksam machen.
  • Führe keine Rückholaktionen ohne die Polizei durch. Klingel nicht alleine an der Tür der Wohnung, die du verdächtigst!
  • Die Polizei kommt in den meisten Fällen nur, wenn du den exakten Standort deines Fahrrads herausgefunden hast. Rufe immer direkt das zuständige Revier an. Wähle nicht die 110, außer es ist Gefahr im Verzug.
  • Wenn eindeutig nachgewiesen werden kann, dass sich dein Fahrrad in einer Wohnung befindet und niemand aufmacht, kann die Polizei einen Durchsuchungsbeschluss beantragen. Das wird telefonisch über die Staatsanwaltschaft und über einen Richter abgeklärt. In unserem Fall hat das geklappt.
  • Wenn die Tür nicht geöffnet werden kann, hast du immer noch eine Chance. Irgendwann wird der Dieb mit deinem Fahrrad die Wohnung verlassen und dann musst du aktiv werden.

Umgang mit „Wo ist?“-App

Wichtig: Der Standort, der in der „Wo ist?“-App angezeigt wird, ist nicht zwangsläufig der Ort, wo dein Rad zuletzt gesehen wurde. Es ist der Standort des iPhones, das zuletzt das Bluetooth-Signal deines AirTags empfangen hat. Es ist also durchaus möglich, dass die Nadel auf die Straße zeigt, während sich dein Rad im 2. Stock des Hauses vor der Straße befindet.

iPhone X, iPhone 8, iPhone 7 oder andere ältere iPhone-Modelle:

  1. Öffne die App „Wo ist?“, und tippe auf den Tab „Objekte“.
  2. Jetzt bekommst du den Standort deine Fahrrads im Umkreis von ca. 50 Metern angezeigt. Die Stecknadelposition zeigt den Standort, an dem das letzte Mal ein fremdes iPhone an deinen AirTag geortet hat. Das muss nicht der exakte Standort deine Fahrrads sein! Wir dachten das erst und vermuteten, dass der Dieb den Halter entfernt und ins Gebüsch geworfen hat. Dem war nicht so! Suche nicht zu lange an dieser Stecknadelposition. Wenn du dein Fahrrad nicht direkt siehst, geh weiter. Du musst den gesamten Umkreis ablaufen. Aktiviere hierfür die Suchfunktion:
  3. Tippe auf „Gefundenes Objekt identifizieren“. 
  4. Bewege dich im Umkreis von ca. 50 Metern umher. 
  5. Nach einer Zeit wird der Suchprozess abgebrochen und es erscheint die Meldung „Objekte nicht gefunden“. Tippe „ok“ und starte es erneut.
  6. Befindet sich im Radius ein Gebäude, laufe wenn möglich das Treppenhaus ab. Geh am besten strategisch von Tür zu Tür. Bewahre Ruhe und einen klaren Kopf. Aktiviere immer wieder den Suchprozess, nachdem er abgebrochen wurde.
  7. Verliere nicht den Mut. Früher oder später muss dein iPhone anschlagen.
  8. Sobald dein Fahrrad in der Nähe ist, bekommt du die Meldung „Objekt in der Nähe“.
  9. Befindest du dich sehr nah am Fahrrad, verbindet sich dein iPhone mit dem AirTag. Du hast nun die Möglichkeit das Signal abzuspielen. Pass auf, dass du dich damit nicht in Gefahr bringst und den Dieb auf dich aufmerksam machst. Informiere die Polizei sobald du den Standort lokalisieren konntest. 

„Precision finding“ bei den neueren iPhones:
ab iPhone 11

  1. Öffne die App „Wo ist?“, und tippe auf den Tab „Objekte“.
  2. Wähle das AirTag aus, und tippe anschließend auf „Suchen“. 
  3. Befolge die Anweisungen auf dem Bildschirm. Auf dem iPhone werden die Entfernung, Richtung und die Route zum AirTag angezeigt. Bewege dich anhand dieser Informationen in Richtung AirTag, bis du dein Fahrrad gefunden hast.

Du hast ebenfalls so eine Geschichte erlebt? Lass es uns wissen!
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Kommentare (1)

  1. Hallo liebes Woodcycle-Team. Jetzt ist es so weit gewesen. Mein Fahrrad gemeinsam mit eurem tollen Woo-Halter und einem AirTag ist in der vorletzten Nacht aus Berlin entwendet worden. Das AirTag sendet ein Signal. 700 KM weit entfernt in Polen. Ein klar identifizierbares fast alleinstehended Einfamilienhaus. Die Polizei hat Kenntnis. Sogar eine das sog. Gemeinsame Einsatzleitzentrum Swiecko. Es passiert leider aber nichts. Ich bin drauf und dran selber loszufahren. Alle raten mir davon ab. Ich schreibe euch gerne was dabei herrausgekommen ist. Vielleicht regt sich die polnische Polizei ja heute. LG

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